Das Mitte Museum widmet sich in einer Ausstellung der Schriftstellerin und Journalistin Susanne Kerckhoff (1918–1950), einer prägenden Stimme der frühen Nachkriegszeit. Zwischen 1948 und 1949 veröffentlichte Kerckhoff in der Berliner Zeitung fiktive Porträts, die hochaktuelle Fragen an die Nachkriegsgesellschaft stellten: Schuld, Entnazifizierung, Antisemitismus, Demokratie. Die Ausstellung erschließt dieses Werk erstmals systematisch – und fragt uns, was diese Texte über das Deutschland von heute sagen.
ab 10.09.2026 bis 21.02.2027
Sonntag bis Freitag 10–18 Uhr

Eröffnung am 9. September 2026 ab 18:00 Uhr.
Das Mitte Museum zeigt ab dem 10. September 2026 eine Ausstellung zur Schriftstellerin und Journalistin Susanne Kerckhoff (1918–1950), einer prägenden Stimme der frühen Nachkriegszeit. Zwischen 1948 und 1949 veröffentlichte Kerckhoff unter dem Titel „Menschen in unserer Zeit“ in der Berliner Zeitung fiktive Porträts, die zentrale Fragen der frühen Nachkriegsgesellschaft verhandelten: Schuld, Entnazifizierung, Antisemitismus, Demokratie. Die Ausstellung erschließt dieses Werk erstmals systematisch.
Berlin war kurz nach Kriegsende Schauplatz einer noch offenen Zukunft Deutschlands – und die Sprache selbst wurde zum Austragungsort der Debatten über diese Zukunft und den Umgang mit der Vergangenheit. Kerckhoffs Überzeugung, Veränderung lasse sich nur über Sprache erreichen, steht im Zentrum der Ausstellung.
Kerckhoffs Fragen sind nicht historisch abgeschlossen. Fünf eigens für die Ausstellung entstandene künstlerische Arbeiten setzen ihre Texte in einen Dialog mit der Gegenwart, die selbst von Umbrüchen und offenen Fragen geprägt ist. Bildende Kunst, Komposition und eine literarische Intervention treffen auf Kerckhoffs Sprache: Jeanno Gaussi, likabari a.k.a. Melika Akbari, Eric Meier, Peter Wawerzinek und Jens-Karsten Stoll entwickelten eigene Arbeiten zur Ausstellung. Aus eigenen Biografien, Erfahrungen, Techniken und persönlichen Zugängen heraus aktualisieren sie Kerckhoffs Werk.
Kuratorin Heike Albrecht beschäftigt sich bereits länger mit Kerckhoffs Werk: 2023 kuratierte sie eine Interview- und Lesereihe zu deren "Berliner Briefe", 2025 am Theaterdiscounter Berlin eine diskursive Performancereihe.
Biografien der Künstler*innen und der Kuratorin
Jeanno Gaussi, geboren in Kabul, Afghanistan, aufgewachsen in Kabul, Delhi und Berlin. Ausgehend von einem narrativen Konzept schafft sie intime Installationen über Raum und Erinnerung. Ihre Arbeit umfasst verschiedene Medien, wie Video, Fotografie, Objekte und Texte. Ein zentrales Thema ihrer Praxis ist die Erforschung von Orten und den damit verbundenen Begegnungen. Darauf aufbauend setzt sie sich mit Fragen der Erinnerung, der Suche nach Identität und den damit ausgelösten sozialen und kulturellen Prozessen auseinander. Teilnahme an zahlreichen Ausstellungen, Filmfestivals und Symposien (dOCUMENTA 13, Havanna-Biennale, TEDx Marrakesch). Sie war Fellow am Käte Hamburger Kolleg Dis:connectivity in Processes of Globalisation, erhielt das Ann-Wolff-Tutsek-Stiftung Stipendium und wurde 2025 mit dem Exile Visual Arts Special Award der Körber Stiftung ausgezeichnet.
Eric Meier, geb. 1989 in Ost-Berlin, Fotograf und Bildhauer, ist in Frankfurt an der Oder aufgewachsen und lebt und arbeitet in Berlin. Er hat an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig sowie an der Universität der Künste und der Ostkreuzschule für Fotografie in Berlin studiert. Die Arbeit von Eric Meier beschäftigt sich mit seinen familiären und politischen Erfahrungen, die er in der ost-deutschen Stadt Frankfurt an der Oder, an der Grenze zu Polen, gemacht hat. Sein fotografisches Werk kann als eine Suche nach dem metaphorischen Potential von Bildern, sowie als gesellschaftskritische Arbeit verstanden werden. 2021 erschien sein Künstlerband "Eric Meier - FF". Unter Anderem sind seine Arbeiten in der Staatlichen Kunstsammlung Dresden, der Bundeskunstsammlung und Sammlung Hoffmann vertreten.
likabari aka Melika Akbari ist eine multidisziplinäre Performance- und Bildende Künstlerin. Nach ihrem Studium der Architektur (BA, Teheran, Iran 2016) und Choreografie (MA, HZT, Berlin 2022) arbeitet sie als Choreografin, Performerin, Bühnenbildnerin und Kostümbildnerin. Ihre konzeptionellen Arbeiten sind raumspezifisch, vielschichtig und detailorientiert. Sie erforscht den Bereich der Materialformen, der Bewegung durch Dekonstruktion, Abstraktion und Minimalismus. In ihrer kreativen Praxis verwischt sie die Grenzen zwischen Realität und Imagination. Ihre jüngsten Arbeiten umfassen konzeptionelle Performances, Kurzfilme, Bühnenbilder und Kostümdesign.
Jens-Karsten Stoll geb. 1965 in Ost-Berlin, ist Musiker und Komponist. Er absolvierte ein Studium der Korrepetition und Komposition an der Hochschule für Musik "Hanns Eisler" in Berlin. Als musikalischer Leiter, Komponist und Pianist war und ist er für zahlreiche Theaterproduktionen im deutschsprachigen Raum unterwegs, so am Berliner Ensemble, am Deutschen Theater Berlin oder am Schauspielhaus Hamburg. Mit dem Kabarettisten und Regisseur Rainald Grebe arbeitet er seit 2008 an zahlreichen Theaterhäusern kontinuierlich zusammen. Konzerte und Workshops führten ihn u.a. nach Mexiko-Stadt, Guadalajara, Bangkok, Hongkong, Washington, Abidjan, Barcelona, Brüssel, Warschau, Genua, Zürich und Taschkent.
Peter Wawerzinek wurde 1954 unter dem Namen Peter Runkel in Rostock geboren. Er wuchs in verschiedenen Kinderheimen und Pflegefamilien an der Ostsee auf. Seit 1988 ist er freier Schriftsteller, Regisseur und Hörspielautor. Peter Wawerzinek erhielt den Berliner Kritikerpreis für Literatur (1991), den Hörspielpreis der Berliner Akademie der Künste (1993), den Ingeborg-Bachmann-Preis und gleichnamigen Publikumspreis (2010), Shortlist Deutscher Buchpreis (2010), die Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung (2024) und zahlreiche Stipendien, so das Autorenstipendium der deutschen Akademie Rom Villa Massimo.
Heike Albrecht ist Kuratorin und Dramaturgin im interdisziplinären Programmbereich der Darstellenden Künste. Sie leitete das Performing Arts Programm am LOFFT Leipzig, kuratierte zahlreiche Festivalformate (u.a. Westend 05 know your rights, Tanznacht Berlin) und war von 2007–2010 Künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin der Sophiensaele Berlin. Für das Goethe-Institut kuratierte sie "As we speak" im Rahmen der Europäischen Kulturhauptstadt "Maribor 2012". An der Akademie die Künste war sie 2019 als Kuratorin für die Programmreihe "Was der Körper erinnert. Zur Aktualität des Tanzerbes" tätig. Zu Susanne Kerckhoffs "Berliner Briefe" kuratierte sie 2023 eine Interview- und Lesereihe und 2025 am TD Berlin eine diskursive Performancereihe.
Kuratorin: Heike Albrecht
Gestaltung: Carsten Stabenow / milchhof atelier
Kuratorische Mitarbeit: Camille Compere
Öffentlichkeitsarbeit: Luise Haubenreiser (CAMPI-Fellow)
Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds.
Das Mitte Museum ist weitestgehend barrierefrei. Durch einen Fahrstuhl verfügt das Gebäude über einen rollstuhlgerechten Zugang vom Außengelände zu den Ausstellungsflächen, zum Archiv und den Veranstaltungsräumlichkeiten.
Eine barrierefreie Toilette befindet sich im Erdgeschoss des Museums. Für die Nutzung können Sie einen Schlüssel am Empfang entleihen. Assistenzbedarf melden Sie bitte telefonisch unter (030) 4606019-10 an.