Erinnerungskultur

Die Art und Weise, wie sich Gesellschaften mit der Vergangenheit auseinandersetzen, wie sie historischer Ereignisse, herausragender Persönlichkeiten, politischer Umbrüche und Entwicklungen gedenken, unterliegt einem ständigen Wandel, verfolgt aber immer einen gemeinschaftsstiftenden Zweck in der Gegenwart. „Was dürfen wir nicht vergessen?“ und „Was wollen wir nicht vergessen?“ sind Fragen, die im Zentrum erinnerungskultureller Diskurse stehen und das Selbstverständnis unserer Gesellschaft prägen. 
Aufgrund der sich stetig verändernden Multiperspektivität des Erinnerns in einer von Migration geprägten Stadt verändern sich auch die Vorstellungen über die Art und Weise einer kritischen Auseinandersetzung mit der Geschichte in Berlin Mitte. Die Reflexion aktueller kultureller und gesellschaftlicher Veränderungen und Herausforderungen sowie die Entwicklung entsprechender Formen des Erinnerns gehören zu den wichtigsten Aufgaben heutiger erinnerungskultureller Arbeit. 
Neben bewährten Formaten werden zunehmend neue Formen der Erinnerung erprobt. Dazu gehören künstlerische Interventionen oder multimediale Zugänge, die der zunehmend digitalisierten Gesellschaft Rechnung tragen, ebenso wie partizipative Ansätze, die Erinnerung von einem passiven zu einem aktiven Erlebnis machen. Zielgruppen, die künftig stärker als bisher angesprochen werden sollen, sind Menschen mit Migrationsgeschichte, junge Menschen und Menschen mit Behinderungen.

INTERVENTION

Benennen, Ehren, Hinterfragen

Straßennamen in Berlin-Mitte

Straßennamen sind mehr als bloße Orientierungspunkte: Sie spiegeln politische Entscheidungen, gesellschaftliche Werte und historische Machtverhältnisse wider. Besonders im Berliner Bezirk Mitte, der über Jahrhunderte als Regierungssitz verschiedener politischer Systeme diente, lässt sich die bewegte Geschichte Deutschlands anhand der Vielzahl vergangener und gegenwärtiger Straßenumbenennungen nachvollziehen.Diese Publikation untersucht neun Straßennamen, die nach Personen benannt sind, deren Handlungen aus heutiger Sicht als ableistisch oder antisemitisch wahrgenommen werden können oder die dem deutschen Kolonialzeitalter zuzuordnen sind und einer kritischen Auseinandersetzung bedürfen. Im Mittelpunkt steht die Frage, inwieweit ihr Wirken, der Zeitgeist oder die politischen Verhältnisse zum Zeitpunkt der jeweiligen Benennung eine Rolle gespielt haben – und heute noch spielen dürfen.Straßennamen sind Ausdruck gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse und Teil einer verantwortungsvollen Erinnerungskultur. Als Beitrag zu diesem Prozess beleuchtet die Publikation Ambivalenzen, macht historische Zusammenhänge zugänglich und lädt dazu ein, darüber nachzudenken, wen und was wir im öffentlichen Raum ehren.

ERINNERUNGSKULTUR

Queere Held*innen 

Interaktive Stadtrundgänge von Rafael Nasemann für queere Erinnerung und Sichtbarkeit

Entdecke queere Geschichte direkt vor Ort: Über QR-Codes an ehemaligen Wohnorten oder Wirkungsstätten erfährst du mehr über inspirierende queere Persönlichkeiten und Ereignisse. Ohne App, kostenlos und zweisprachig – einfach den Code scannen und loshören oder lesen. Eine digitale Karte führt dich zu weiteren Stationen, die queeres Leben und Wirken in der Stadt sichtbar machen.

Gedenkort Güterbahnhof Moabit 

Eigene Website zum Gedenkort online  

Mehr Informationen unter: www.ggbm.berlin

Im Januar ging die neu entwickelte Website des Gedenkorts Güterbahnhof Moabit online. Auf dieser finden sich ausführliche Informationen zur Geschichte des Deportationsbahnhofs, zur Weiterentwicklung des Standorts, zum Besuch der Gedenkstätte sowie zu Bildungsangeboten und Gedenkveranstaltungen.

Erinnerungskultur

Gedenkstelen des Sachgebiets für Erinnerungskultur und Geschichte  

Drei Gedenkstelen befinden sich im Fachvermögen des Amtes für Weiterbildung und Kultur des Bezirksamtes Mitte. Sie erinnern an und informieren über Verfolgung, Ausgrenzung und Widerstand in unterschiedlichen historischen Zusammenhängen.

Gedenkort Güterbahnhof Moabit 

Internationaler Holocaust-Gedenktag 

Zentrale Gedenkveranstaltung des Bezirks Mitte von Berlin

Am 27. Januar 2025 erinnerte Stefanie Remlinger, Bezirksbürgermeisterin von Berlin Mitte, an bisher wenig beachtete Opfer der NS-Diktatur wie die sogenannten Asozialen und die sogenannten Gewohnheitsverbrecher. 

Gedenkveranstaltung mit Workshops im September 2024

AndersErinnern

Gedenken an das Jüdische Altenheim Gerlachstraße – Intervention im Stadtraum

Im Fokus der Veranstaltung in der Berolinastraße, Berlin-Mitte, standen die Bewohnerinnen und Bewohner des Jüdischen Altenheims Gerlachstraße 18/21. An deren Schicksale während der Zeit des Nationalsozialismus wurde erinnert.