ERINNERUNGSKULTUR

Queere Held*innen 

Interaktive Stadtrundgänge von Rafael Nasemann für queere Erinnerung und Sichtbarkeit

Entdecke queere Geschichte direkt vor Ort: Über QR-Codes an ehemaligen Wohnorten oder Wirkungsstätten erfährst du mehr über inspirierende queere Persönlichkeiten und Ereignisse. Ohne App, kostenlos und zweisprachig – einfach den Code scannen und loshören oder lesen. Eine digitale Karte führt dich zu weiteren Stationen, die queeres Leben und Wirken in der Stadt sichtbar machen.

Gedenkstele von "Queere Held*innen" neben dem Denkmal für Magnus Hirschfeld.
Gedenkstele für Magnus Hirschfeld und das Institut für Sexualwissenschaft, Bettina-von-Arnim-Ufer. Foto: R. Nasemann, CC BY 4.0

Das Projekt „Queere Held*innen“ macht queere Geschichte unmittelbar im Stadtraum erfahrbar. An authentischen Orten in Berlin erinnern QR-Codes an Menschen, Organisationen und Ereignisse, die für queere Sichtbarkeit, Sicherheit und Rechte eingetreten sind – häufig in Zeiten, in denen dies mit erheblichen persönlichen Risiken verbunden war. Die Markierungen sind niedrigschwellig zugänglich: Durch das Scannen der QR-Codes gelangen Besucherinnen direkt auf eine Webseite, auf der Audiobeiträge in deutscher und englischer Sprache abrufbar sind; alle Inhalte stehen dort auch als Textversion bereit.

Mithilfe eines Handys wird der QR-Code gescannt, um zu den verknüpften Informationen zu kommen.
QR-Code für Ludwig Levy-Lenz, Praxis 1918-1926, Rosenthaler Str. 2.
Foto: R. Nasemann, CC by 4.0.

Die Beiträge erzählen von Aktivist*innen, Künstler*innen, Pionier*innen und Alltagsheld*innen, die auf unterschiedliche Weise zur Geschichte der Emanzipation beigetragen haben. Einige schufen queere Schutzräume, andere stellten gesellschaftliche Normen infrage oder engagierten sich für rechtliche Gleichberechtigung. Viele von ihnen waren Ausgrenzung, Überwachung oder staatlicher Verfolgung ausgesetzt; manche erlitten schweres Leid, einige verloren ihr Leben. Ihre Geschichten sind zugleich Erinnerung und Auftrag: Queere Geschichte ist ein wesentlicher Bestandteil der Berliner Stadtgeschichte und des demokratischen Gedächtnisses.

Gerade im Bezirk Mitte lässt sich queere Geschichte besonders dicht und vielfältig erkunden. Wer hier auf Tour geht, begegnet am Rosenthaler Platz der bewegten Biografie des Sexualwissenschaftlers und Arztes Ludwig Levy-Lenz. Vor dem Friedrichstadt-Palast führt ein weiterer Ort zur Kabarettistin und Sängerin Claire Waldoff, die mit ihrer Kunst gesellschaftliche Konventionen herausforderte. Entlang des Magnus-Hirschfeld-Ufers laden Denkmäler auf beiden Seiten der Spree dazu ein, sich mit dem Wirken Magnus Hirschfelds und zahlreicher weiterer queerer Akteur*innen auseinanderzusetzen. Viele von ihnen lebten, arbeiteten oder engagierten sich in Mitte – ihre Biografien lassen sich vor Ort über die Audiobeiträge anhören und machen queere Geschichte im Stadtraum unmittelbar erfahrbar.

Die begleitende Webseite bietet zusätzlich eine interaktive Karte, die weitere Gedenkorte vorstellt und Empfehlungen für Stadtteilrouten bereithält. So können Besucher*innen queere Spuren eigenständig verfolgen und die Entdeckungsreise durch verschiedene Kieze fortsetzen. Ergänzende Materialien wie Fotos, Literaturhinweise sowie Hinweise auf Filme, Podcasts und historische Quellen vertiefen den Zugang.

Die interaktive Karte der Erinnerungsorte und mögliche Routen sind hier zu finden:
https://homoluluberlin.de/queereheldinnen/

Screenshot von den für Berlin-Mitte eingetragenen Erinnerungsorten auf Google Maps.
Ausschnitt der Karte "Queere Held*innen" von Rafael Nasemann.
Eine Aufnahme von einen QR-Schild auf der Rosenthaler Straße in Berlin Mitte. Im Hintergrund wird in der Häuserschlucht der Fernsehturm erkennbar, im Fokus ist der an die Wand geschraubte QR-Code.
QR-Code für Ludwig Levy-Lenz, Praxis 1918-1926, Rosenthaler Str. 2.
Foto: R. Nasemann, CC by 4.0

„Queere Heldinnen“ ist eine ehrenamtlich getragene Bürgerinneninitiative, initiiert von Rafael Nasemann und organisatorisch an die Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V. angegliedert. 

Das Projekt wird unterstützt von der Bezirksbürgermeisterin Berlin-Mitte Stefanie Remlinger, dem Queerbeauftragten Berlin-Mitte Martin Vahermäe-Zierold, dem Schwulen Museum Berlin, Visit Berlin sowie dem Mitte Museum, das punktuell mit inhaltlicher Zuarbeit beteiligt ist. 

Gefördert wird das Projekt durch die Hannchen-Mehrzweck-Stiftung sowie – im Rahmen des Programms „Queeres Leben in den Bezirken“ – durch die Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung.