DIGITALISIERUNGSPROJEKT

Ost-Berlin zwischen Neubau und Rekonstruktion

Ein Digitalisierungsprojekt des Mitte Museums und des FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museums

Von 1975 bis 1989 fotografierte Monika Uelze im Auftrag des VEB Projektierung Bauprojekte des Berliner Wohnungsbaukombinats – Architektur, Bautechnik, Kunst am Bau, Stadtentwicklung. Tausende Aufnahmen, verteilt auf zwei Museen, werden nun erstmals gemeinsam digitalisiert und erschlossen. 

2026 arbeiten das Mitte Museum und das FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museum gemeinsam an der Digitalisierung und Erschließung von mehreren tausend Fotografien, die Bauprojekte des VEB Wohnungsbaukombinats Berlin (WBK) der Jahre 1975 bis 1989 in Mitte und Friedrichshain dokumentieren. Aufgenommen wurden sie von der Fotografin Monika Uelze (1941-2000) im Auftrag des VEB Projektierung im WBK. Beide Museen bewahren jeweils einen Teil des bei Entstehen zusammengehörenden Bestands.

Die Fotos geben Einblicke in Architektur, Bautechnik und Kunst-am-Bau-Projekte sowie in die Stadtplanung und -entwicklung im Rahmen des DDR-Wohnungsbauprogramms. Die Auftragsfotografien vermitteln zugleich einen Eindruck der ästhetischen Konzepte von fotografischer Repräsentation für die staatliche Bautätigkeit der DDR. 

Das Projekt wird im Rahmen des Förderprogramms zur Digitalisierung von Objekten des kulturellen Erbes durch die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt realisiert und vom Forschungs- und Kompetenzzentrum Digitalisierung Berlin (digiS) fachlich begleitet.

Sicherung der Substanz – Die Restaurierung fotografischer Teilbestände aus dem Lebenswerk von Monika Uelze

Auf ihrem Weg vom Analogen ins Digitale gelangten die Teilbestände des Werks der Fotografin Monika Uelze aus den Archiven des FHXB Museums und Mitte Museums zunächst in das Atelier der Papier- und Fotorestauratorin Christin Frischmuth.

Die Restaurierung verfolgte zwei Ziele: zum einen den Erhalt der historischen Substanz im Archiv mithilfe reversibler und alterungsbeständiger konservatorischer Maßnahmen und Materialien und zum anderen die Sicherstellung eines weitestgehend risikofreien Scanvorgangs und qualitativ hochwertiger Digitalisate durch die Entfernung von Störfaktoren wie Rissen, Knicken oder Staub.

Die Rissschließung.

Schritt 1: Die Säuberung

Zuerst sichtete sie die Negative, die schwarz-weißen Kontaktbögen, Farbprints und Negativtaschen. Anschließend wurden die empfindlichen Oberflächen aller Bestandteile mit weichen Mikrofasertüchern trockengereinigt und so von Staub und anderen Ablagerungen befreit. Danach folgte die konservatorische Sicherung der mehrere tausend Teile umfassenden Konvolute. Dazu gehörte die Entfernung von rückseitig auf die Kontaktbögen geklebten säurehaltigen Negativtaschen mit alkoholhaltigem Lösungsmittel und die Beseitigung von Schäden im Vorfeld der anstehenden Digitalisierung.

 

Schritt 2: Die Beseitigung von Rissen

In dieser Weise bearbeitet wurden ausschließlich die Kontaktbögen, da nur sie einzelne Risse und Wellungen aufwiesen. Behoben wurde dies durch den Auftrag von Methylcellulose, einem reversiblen Klebemittel, sowie hauchdünnem Polyestervlies als Bindeglied. Durch die hierdurch erzielte stabilisierende Wirkung konnten die Risse vollständig und nahezu unsichtbar geschlossen werden. Danach wurden die so behandelten Fotoabzüge und jene, die Wellungen aufwiesen, leicht mit einem Ethanol-Wasser-Gemisch besprüht, mit Gewichten beschwert und mittels einer Stockpresse geglättet. Sinn und Zweck des Besprühens ist die zeitgleiche Verkürzung der Trocknungszeit der Risspflaster durch den enthaltenen Alkohol und die Sicherstellung eines gewissen Maßes an Materialflexibilität durch Wasser.

Schritt 3: Die Umverpackung

Zuletzt stand die archivgerechte Verpackung an. Während der Bestand aus dem FHXB Museum in seinen transparenten Kunststoffhüllen verblieb, entschied sich das Mitte Museum dafür, seinen noch in den historischen, säurehaltigen Papiertaschen lagernden Teilbestand in Hüllen aus opakem Archivpapier legen zu lassen.

Langfristige Bewahrung und besserer Zugang – Die Digitalisierung der Negativbestände der Fotografin Monika Uelze aus dem FHXB Museum und dem Mitte Museum

Nach der Restaurierung gehen das FHXB Museum und das Mitte Museum nun den nächsten wichtigen Schritt, um die Teilbestände des Werks der Fotografin Monika Uelze langfristig zu bewahren: die Digitalisierung.

Prüfung und Säuberung am Lichttisch.

Das Material

Insgesamt wurden aus dem Bestand des FHXB Museums über 1.000 Negative im Mittelformat (6x6cm) und 84 Kleinbild-Negative digitalisiert. Aus dem Bestand des Mitte Museums kommen 2.646 Mittelformat-Negative und 189 Kleinbild-Negative hinzu. Ergänzt wird das Material durch rund 70 schwarz-weiße Kontaktbögen und 89 Prints.

Der Prozess

Die Uelze-Teilbestände in beiden Museen bestehen überwiegend aus Negativen. Als Negativ bezeichnet man das mit einer fotografischen Kamera auf Filmmaterial erzeugte Bild. Bei Schwarz-Weiß-Film erscheinen die hellen Bereiche des Motivs dunkel und die dunklen Bereiche hell.

Im nächsten Schritt des analogen Prozesses wird das Negativ auf Fotopapier projiziert. Durch die Belichtung entsteht auf dem Papier ein seitenrichtiges Bild, das den Tönen der Realität entspricht: das sogenannte Positiv. Werden Negative, die digitalisiert worden sind, in dieser Weise „umgekehrt“, spricht man von Invertierung. Damit Fotografien auch für ungeübte Betrachter*innen lesbar werden, ist ihre Invertierung notwendig.

Die Digitalisierung der Negative erfolgte über einen externen Dienstleister nach den Praxisregeln „Digitalisierung“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Sie wurden hochauflösend gescannt, um eine hohe Detailschärfe zu erreichen. Die Auflösung beträgt 4.000 ppi für Kleinbild-Negative und 3.000 ppi für Mittelformat-Negative (ppi = pixels per inch). Der Scan eines einzelnen Bildes dauerte mehrere Minuten.

 

Warum wird digitalisiert?

Durch die Digitalisierung können die Bestände optimal gesichert und leichter zugänglich gemacht werden.  Die im Prozess erzeugten Positive sind nun für eine breite Öffentlichkeit lesbar und leichter nutzbar beispielsweise für Publikationen, Ausstellungen oder Recherchen. Auch die Originalbestände werden geschont, da in Zukunft weniger oft auf sie zugegriffen werden muss.

Die Negative wurden durch die Firma Digital Service Center und die Kontaktbögen und Prints von FSD LWerk Berlin Brandenburg gGmbH digitalisiert.