LESUNG UND GESPRÄCH

Aber jetzt bin ich Dir unsere Schuld schuldig: Die Berliner Briefe von Susanne Kerckhoff

Lena Bührichen im Gespräch mit Peter Graf

Susanne Kerckhoff schrieb 1948 gegen das große Schweigen nach dem Nationalsozialismus an. Wer war diese Frau, warum geriet sie nach ihrem Tod 1950 in Vergessenheit – und warum lohnt es sich, sie heute wieder zu lesen? Darüber spricht Lena Bührichen mit dem Verleger Peter Graf. Die Musik kommt von Jens-Karsten Stoll, Jörg Braunsdorf moderiert. 

Termine und Öffnungszeiten

Donnerstag, 19.11.2026, 19:00 - 21:00 Uhr

Blick in die Ausstellung zu Susanne Kerckhoff.
Fotografie: Laura Fiorio.

"In ein bestimmtes Lager gehöre ich in das Lager derjenigen, die sich noch in gar keiner Weise beruhigt haben über Nationalsozialismus und Krieg, über Sozialismus und Kapitalismus, über Schuld und Sühne, über eigene Schuld und eigene Sühne, kann ich mich nicht beruhigen."
- Susanne Kerckhoff, Berliner Briefe, 1948

Mit diesen Worten richtet sich die Schriftstellerin Susanne Kerckhoff 1948 an die deutsche Nachkriegsgesellschaft sie will mitgestalten und auf Wiedergutmachung hinwirken. In den Jahren zwischen 1945 und 1950, die Susanne Kerckhoff noch miterlebt, wirft sie sich literarisch wie politisch in die neue Zeit hinein, kompromisslos, ehrlich und außerordentlich klarsichtig.

Nach 1945 herrscht in Deutschland ein großes Schweigen: über Schuld, Verantwortung und das eigene Mitwirken am Nationalsozialismus. Kerckhoff stellt sich dagegen. In ihren Berliner Briefen schreibt sie gegen das Wegsehen an über Schuld und Sühne, über die Suche nach einem neuen Anfang, über Moral und Mitmenschlichkeit in einer zerstörten Gesellschaft.

Wer war diese Frau, die sich so kompromisslos einmischte literarisch wie politisch? Warum geriet sie nach ihrem Tod 1950 in Vergessenheit, und warum lohnt es sich heute, sie wieder zu lesen?

Fotografie: privat.

Lena Bührichen studierte Literatur-, Kunst- und Medienwissenschaft an der Universität Konstanz sowie Literatur, Kunst und Kultur an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Nach ihrem Volontariat in der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße in Erfurt ist sie seit 2025 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Deutsche Literaturwissenschaft an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Fotografie: Sebastian Wells.

Peter Graf ist Verleger, Publizist und ausgewiesener Experte für die Exilliteratur des 20. Jahrhunderts. Mit dem Verlag Das kulturelle Gedächtnis sorgt er dafür, dass notwendige Bücher der Literatur- und Kulturgeschichte neu verlegt und für die Gegenwart zugänglich gemacht werden – darunter die „Berliner Briefe“ von Susanne Kerckhoff und Bruno Franks „Lüge als Staatsprinzip“ von 1939. Seit 2025 arbeitet er für das Kurt-
Tucholsky-Literaturmuseum in Rheinsberg.