Mendelssohn, Bleichröder, Gutmann: Rund um Behren- und Jägerstraße lag einst das Zentrum des Berliner Bankwesens, geprägt von jüdischen Bankiersfamilien. 1933 standen über 70 Prozent der Berliner Privatbanken im Eigentum oder unter Leitung von Juden – Ende 1938 waren sie alle „arisiert“ oder liquidiert. Am Samstag, 10. Oktober 2026, folgt die Stadtführung von Nirit Ben Joseph den Spuren dieser Geschichte.
Samstag, 10.10.2026, 14:00 - 16:00 Uhr

In der Behrenstraße steht bis heute das Gebäude der ehemaligen Hauptverwaltung der Dresdner Bank. Die Bank ging 1872 aus dem jüdischen Bankhaus Kaskel hervor; Carl von Kaskel und Eugen Gutmann prägten ihren Aufstieg. Nach der „Arisierung“ im Nationalsozialismus arbeitete sie so eng mit der SS zusammen, dass sie als sogenannte „SS-Bank“ galt. Mehrere Angehörige der Familie Gutmann wurden im Holocaust ermordet.
An diesem einen Gebäude lässt sich ablesen, wovon die Stadtführung „Rund um die Behrenstraße. Jüdische Bankhäuser in Berlin“ erzählt: wie eng die Geschichte des Berliner Finanzplatzes mit jüdischen Unternehmern verbunden war – und wie gründlich diese Verbindung ab 1933 zerstört wurde.
Seit dem 18. Jahrhundert entwickelte sich Berlin zu einem Zentrum bedeutender jüdischer Bankhäuser. Rund um die Jägerstraße entstand ein Bankenviertel, in dem Familien wie Mendelssohn, Bleichröder, Arnhold, Magnus und Gutmann wirkten; auch das Kölner Bankhaus Sal. Oppenheim gehört zu dieser Geschichte. Jüdische Bankiers waren maßgeblich an der Entwicklung der Berliner Börse beteiligt. Sie finanzierten die industrielle Expansion, unterstützten neue Unternehmen und trugen dazu bei, Berlin zu einem internationalen Finanzplatz zu machen.
Wie groß ihr Anteil war, zeigt eine Zahl aus dem Jahr 1933: Von den 215 Berliner Privatbanken standen damals über 70 Prozent im Eigentum oder unter Leitung von Juden. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten begann ihre systematische Ausgrenzung, Enteignung und Zerschlagung. Bis 1935 war ein Viertel dieser Banken „arisiert“ oder liquidiert, bis Ende 1938 waren es alle.
Die Führung beginnt am Schlossplatz und endet in der Jägerstraße. Auf rund zwei bis zweieinhalb Kilometern verbindet sie historische Orte mit den Lebenswegen jüdischer Unternehmer und der wirtschaftlichen Entwicklung Berlins. Der Weg führt ohne Treppen oder andere Hindernisse.
Behren- und Jägerstraße liegen im heutigen Bezirk Mitte. Das Mitte Museum, das Museum des Bezirks, erzählt diese Geschichte dort, wo sie stattgefunden hat – an Orten, die heute täglich passiert werden und deren Vergangenheit kaum noch sichtbar ist.
Treffpunkt: Schlossplatz 1, 10178 Berlin
Endpunkt: Jägerstraße
Die Teilnahme ist kostenfrei und ohne Anmeldung möglich.