GEDENKORT GÜTERBAHNHOF MOABIT

Infrastruktur der Verfolgung

Führung durch den Gedenkort Güterbahnhof Moabit anlässlich des Tags des offenen Denkmals 2026 – „NetzWERKE: Denkmale und Infrastruktur“

Der Güterbahnhof Moabit entstand im 19. Jahrhundert – geprägt durch militärische Planungsvorgaben, die seine Infrastruktur bis ins 20. Jahrhundert formten. Zwischen 1942 und 1944 wurden von hier über 30.000 Menschen in Ghettos und Vernichtungslager deportiert. Die Reichsbahn war zentrale Schnittstelle dieses Systems. Eine Führung mit dem Regionalhistoriker Andreas Szagun zeigt, wie Militär, Infrastruktur und Institutionen im Netzwerk der Verfolgung zusammenwirkten.

Termine und Öffnungszeiten

Sonntag bis Freitag 10–18 Uhr

Der Güterbahnhof Moabit entstand im 19. Jahrhundert – und seine Baugeschichte zeigt bereits, wie Infrastruktur und Machtinteressen ineinandergriffen: Militärische Planungsvorgaben, wie sie das preußische Militär beim Großen Generalstab formulierte, prägten Anlage und Gleisführung des Bahnhofs maßgeblich. Ohne diese Forderungen hätten die für die Deportationen genutzten Bahnhofsteile nie diese Form angenommen. Der Bahnhof war damit von Beginn an kein neutrales Bauwerk, sondern Ergebnis institutioneller Netzwerke, in denen zivile und militärische Interessen miteinander verbunden waren.

Im Nationalsozialismus wurde diese Infrastruktur Teil eines engmaschigen Systems staatlicher Gewalt. Die Deutsche Reichsbahn übernahm dabei eine zentrale Rolle: Sie organisierte und koordinierte Transporte, stellte Waggons bereit und integrierte die Deportationen nahtlos in ihren regulären Betriebsablauf. So wurde ein Ort des Warenverkehrs auch Knotenpunkt im System der Verfolgung. Zwischen 1942 und 1944 wurden von hier mehr als 30.000 Jüdinnen und Juden in Ghettos und Vernichtungslager deportiert – zuvor in Sammellagern im Stadtgebiet interniert und durch die Straßen Moabits zum Bahnhof getrieben, sichtbar für die städtische Öffentlichkeit.

Nach Jahrzehnten des Vergessens entstand am historischen Ort ein Gedenkort, der die Erinnerung an die Deportationen wachhält. Die Neugestaltung durch raumlabor.berlin macht sichtbar, was lange unsichtbar geblieben war: die physischen Spuren der Gleisanlagen, die Topographie des Geländes, die räumliche Nähe von Alltag und Verbrechen.

Im Rahmen des Tags des offenen Denkmals am 12. und 13. September 2026 bietet Regionalhistoriker Andreas Szagun Führungen an, die von den militärischen Ursprüngen der Bahnhofsanlage über die Rolle der Reichsbahn im System der Verfolgung bis zur Entstehung des heutigen Gedenkortes reichen – und nach den Handlungsspielräumen der beteiligten Akteure fragen. Der Gedenkort lädt dazu ein, das scheinbar Alltägliche als Teil historischer Netzwerke von Gewalt zu begreifen und die Erinnerung daran wachzuhalten.

 

Der Eintritt ist frei, keine Anmeldung erforderlich.