Wie viel Selbstbestimmung war für eine Schriftstellerin im Literaturbetrieb der Nachkriegszeit möglich? Susanne Linzer liest aus ihrem biografischen Essay über Susanne Kerckhoff, der deren Leben aus Briefen, Gesprächen und Zeitdokumenten erzählt.
Donnerstag, 8.10.2026, 19:00 - 21:00 Uhr

Susanne Kerckhoff lotete aus, wie viel Selbstbestimmung als Künstlerin im Literaturbetrieb der Nachkriegszeit möglich war – in einem Betrieb, in dem Frauen selten über die Deutungshoheit verfügten. Nachdem sie sich 1950 das Leben nahm, geriet sie in Ost wie West in Vergessenheit.
Kerckhoff fragte nach der geistigen Haltung, weil sie darin die Grundlage allen Handelns sah – des vergangenen wie des gegenwärtigen. Aus dieser Haltung heraus analysierte sie die politischen Verhältnisse ihrer Zeit und ließ diese Analyse in ihr künstlerisches Arbeiten einfließen:
„… daß ein Dichter, mag er nun das Zeitwort finden oder nicht oder mag er Liebesgedichte schreiben oder mag er Blumenmotive malen, doch den Punkt nicht verlieren darf, wo er sich einschalten muß. Sonst ist das Liebeslied und das was er über Blumen schreibt, oder alles, was er schreibt, Lüge. Wenn die Menschen den Kontakt verlieren mit dem politischen Leben, dann müssen sie das nachher furchtbar bezahlen. Und gerade der Schriftsteller darf diesen Kontakt mit dem politischen Leben nicht verlieren.“ - Susanne Kerckhoff
In Briefen, Gesprächen und Zeitdokumenten begibt sich Susanne Linzer auf Spurensuche. Entstanden ist ein Porträt, das Kerckhoffs Leben aus den Quellen heraus erzählt. Im Gespräch mit Kuratorin Heike Albrecht stellt sie ihre Arbeit vor.

Susanne Linzer, geboren in Ost-Berlin, ist freie Autorin und Regisseurin. Sie studierte Literatur und Geschichte und entwickelt seit 1998 unter dem Label Monstertheater genreübergreifende Theaterproduktionen. Seit 2001 schreibt sie Audiodeskriptionen für Fernsehen, Kino, Filmfestivals und DVDs.