Kalligrafien von heute, Klassenzeitungen von 1926: Die Ausstellung zeigt Arbeiten von Schüler*innen aus dem Bezirk Mitte, zwischen denen rund hundert Jahre liegen. Eröffnet wird sie im Beisein der Schüler*innen der Herbert-Hoover-Schule, deren Kalligrafien und neue Gemeinschaftszeitung in der Ausstellung zu sehen sind.
Sonntag bis Freitag 10–18 Uhr

Am 9. Oktober 2026 um 15 Uhr eröffnet das Mitte Museum die Ausstellung „freihand. Schrift, Schule, Gemeinschaft“. Sie zeigt Arbeiten von Schüler*innen aus dem Bezirk Mitte, zwischen denen rund hundert Jahre liegen: Kalligrafien eines Kunstkurses der Herbert-Hoover-Schule und zwanzig handgeschriebene Hefte, die Kinder der 308. Gemeindeschule am Leopoldplatz von 1926 bis 1928 selbst geschrieben, gezeichnet und geheftet haben. In beiden Fällen bestimmten die Schüler*innen, was auf dem Papier steht.
Die Kalligrafien entstanden 2025 im Projekt Calliversity. Bei dem Künstler Daniel Arab lernten sechzehn Schüler*innen eines Wahlpflichtkurses Kunst, unterrichtet von Hella Mittrücker und Ingolf Watzlaw, den Umgang mit Feder und Tusche, mit Fraktalen und Schmuckbuchstaben. Am Ende stand die abstrakte Kalligrafie, in der sich die Schrift von der Bedeutung der Wörter löst.

Die 308. Gemeindeschule war eine weltliche Versuchsschule der Weimarer Republik. Als „Lebensgemeinschaftsschule“ folgte sie einem eigenen Fächerkanon; jede Klasse stellte ihre Arbeitspläne für vier Jahre selbst auf. „Es war im Frühjahr 1926, als wir die Klassenzeitung gründeten“, beginnt H. Fink. Danach schreiben viele mit: Erlebnisaufsätze, Rätsel, Comics, eine Anleitung zum Linolschnitt mit genauen Pfennigbeträgen. Die Redaktion wechselt, pünktlich ist das Heft nicht immer.
1933 endete diese reformpädagogische Praxis. Rektor Heinrich Mäcke und Konrektorin Else Hiebsch wurden entlassen, der frühere Rektor Max Kreuziger später in einem Konzentrationslager interniert, die Schulbücherei verbrannt. Dass die Hefte erhalten sind, ist Bruno Stephan zu verdanken, seit 1922 Lehrer an der Schule und nach 1946 Leiter des Heimatarchivs Wedding.
Im April 2026 nahmen dieselben Schüler*innen diese Hefte im Mitte Museum in die Hand, mit Baumwollhandschuhen, und entzifferten die fremden Handschriften. Fragen aus den alten Artikeln wurden zum Anlass für eigene Texte. Im Kunstunterricht zeichneten die Schüler*innen sie mit Tusche nach, kolorierten sie wie im zweiten Jahrgang der historischen Zeitung und banden sie zu einem Heft. Diese neue Gemeinschaftszeitung liegt in der Ausstellung neben den Originalen.